Mountainbike Transalp Engadin vom Imst zum Comer See
Einwöchige Tour im August 2008 mit ALPS.
Einem ungeschriebenen Gesetz zur Folge, muss die nächste Transalp immer schwerer sein als die letzte. Also gut.
Nach mäßiger Vorbereitung komme ich kurz vor der Tour noch einigermaßen in Schwung und bin in Transalp-Stimmung.
Das eigentlich angesagte Fahrtechnik-Seminar habe ich leider nicht gemacht - ich muss mich also wieder
unelegant über die schweren Stellen mogeln oder das Rad schieben.
Teilnehmer: Martin (Guide), Karl, Martin, Thomas, Bärbel und Ralph, Grit, Renate, Franziska und Patrice,
Anna und Franz-Josef, Stefan, Ingo, Lutz und Dirk.
[ 1. Tag ] Anreise
Wegen einer Streckensperrung auf der Arlbergstrecke reise ich zu dieser Transalp zum ersten Mal nicht mit der Bahn, sondern
mit der Auto an. Oberhalb von Imst in Richtung Hahntenjoch liegt das Hotel Linserhof.
Da ich zeitig ankomme, kann ich am Nachmittag noch in die Sauna, bevor die Teilnehmer der Tour sich
beim Abendessen kennenlernen.
Ottes, der eigentlich als Guide für die Tour vorgesehen war, übernimmt krankheitsbedingt nur die Einführung.
[ 2. Tag ] Imst - Ischgl (64 km, 1460 HM)
Nach dem Frühstück stellt sich Martin, unser Guide, vor und wir fahren auf schönen Waldwegen und kurzen Trails über
Hoch-Imst und Gunglgrün hinunter an den Inn, dem wir bis Landeck folgen. Auf einer ruhigen Straße führt uns der Weg jetzt bergauf nach Tobadill, wo wir Mittagspause machen. Nach einer rasanten Abfahrt kommen wir an den Beginn des Paznauntals, das wir nun auf dem Talwanderweg bis nach Ischgl hinauffahren.
Nun habe ich mir unter Talwanderweg eher einen ebenen Rentnerspazierweg entlang des Flusses vorgestellt. Aber zum
angekündigten Tagespensum an Höhenmetern fehlt noch deutlich mehr als der reine Höhenunterschied zum Ziel. Irgendwas
muss da also noch kommen ...
Der Talwanderweg stellt sich dann als stetiges Auf und Ab mit kurzen Trailabschnitten und steilen Rampen dar. Nach einer kurzen Kaffeepause kurz vor Ischgl kommen wir relativ spät im Hotel Yscla an, das auf Mountainbiker spezialisiert ist. Die Sauna mit Panoramafenster lockert die Muskeln und macht
durstig. Die etwas überhöhten Getränkepreise sind wohl der Ischgl-ist-ein-mondäner-Wintersportort-Aufschlag ...
Nach dem Abendessen wird noch fleissig an den Rädern gewerkelt, damit sie auch morgen wieder ihren Dienst tun.
[ 3. Tag ] Imst - Samnaun - Nauders (54 km, 1370 HM)
Die Seilbahn bringt uns am Morgen zur Idalpe und spart uns so 800 Höhenmeter auf der Teerstraße. Die restlichen 400 HM bis
zum Idjoch auf 2730 m müssen wir dann aber fahren und später schieben, denn an Ende wird der Schotterweg sehr steil. Eigentlich wären wir natürlich alle durchgefahren, wenn nicht ein Hubschrauber, der Baumaterial transportiert hat, soviel Staub aufgewirbelt hätte ...
Die Gegend um das Idjoch ist leider zu beiden Seiten sehr von wintertouristischer Infrastruktur geprägt, was im Sommer
nicht unbedingt für einen attraktiven Anblick sorgt. Aber wir sind ja nur auf der Durchreise und machen uns auf die
lange Abfahrt ins Tal. Regelmäßige kurze Pausen sorgen für die notwendige Abkühlung der Bremsscheiben.
Auf der linken Talseite fahren wir dann durch den Wald bis wir ein paar Kilometer oberhalb von Pfunds Mittagspause machen.
Nach der kurzen Restabfahrt und der doch nicht ganz ebenen Straße durch die Schlucht von Finstermünz trennt sich die Gruppe
in Martina. Ein Teil fährt über die Straße zur Norbertshöhe und von dort nach Nauders, der andere Teil folgt dem Inn noch
ein Stück bis Sclamischot, wo ein langer Anstieg auf Schotterwegen beginnt. Eine besonders spannende Stelle ist hier ein
Tunnel, in dem es stockfinter ist und man durch matschige Rinnsale leicht bergauf das Gleichgewicht halten muss.
Nach einer Trailpassage, die für die meisten eher eine Tragepassage ist, kommen wir auf das Hochplateau um den
Schwarzen See, auf dem der Weg teilweise über schmale Holzbrücken durch ein Hochmoor verläuft.
Auf der Abfahrt nach Nauders baut Martin immer wieder kurze Trails ein und gibt Fahrtechnistipps. Als wir das
Hotel Central erreichen, haben wir uns die
Regeneration im sehr schönen Wellnessbereich redlich verdient. Auch in kulinarische Hinsicht hat das Hotel einiges zu
bieten.
[ 4. Tag ] Nauders - Sta. Maria (53 km, 962 HM)
Heute ist ein "Ruhetag" angekündigt. Unter tief hängenden Wolken kämpfen wir uns gegen einen kalten Wind in Richtung
Reschenpass und umfahren den See auf der linken Seite. Dabei baut Martin einen sehr schönen Trail ein, der in Graun wieder
auf das Seeufer trifft.
Ab St. Valentin folgen wir einer Nebenstraße auf der linken Talseite, die uns zum Beginn eines alten
Waalwegs führt, auf dem wir bis
kurz vor Mals fahren.
Nach der Mittagspause in Glurns fahren wir in Richtung Münstertal, das wir auf einem gut zu fahrenden Weg hinauf fahren.
Nach einem Zwischenstop am Kloster St. Johann ist der Weg ins Hotel Stelvio nach Sta. Maria nicht mehr weit.
[ 5. Tag ] Sta. Maria - Val Mora - Alpisella - Livigno (47 km, 1332 HM)
Heute steht die Königstetappe durch das Val Mora auf dem Programm. Zunächst wollen aber erst einmal die 800 HM durch das Val Vau gefahren werden, was am frühen
Morgen für einige Schweißtropfen sorgt. Durch die genial geplante, gestaffelte Abfahrt am Hotel, erreichen alle den Pass
ins Val Mora in einem Zeitfenster von nur 10 Minuten.
Von nun an geht es immer leicht bergab. Zuerst noch auf einem breiten Schotterweg, dann auf einem traumhaften Trail bis
zur Mittagspause am Lago di San Giacomo.
Nach einem weiteren Anstieg erreichen wir die Alpisella, von wo uns eine sehr schöne Abfahrt nach Livigno führt.
Die Zollfreiheit bringt Livigno eine nicht zu übersehende Beliebtheit gerade bei Tagestouristen ein. Auf der
Hauptstraße drängen sich Menschenmassen, als gäbe es hier etwas umsonst. Gibt es auch - fast.
Da mir noch eine leichte Windstopper-Weste fehlt, erstehe ich eine solche der Firma G***-Tex zu einem günstigen Preis und
zahle mit Karte. Auf dem Kontoauszug zu Hause stelle ich dann fest, dass selbst von diesem günstigen Preis nur etwas mehr als die Hälfte abgebucht wurde. Jetzt ist klar, warum hier so ein Volksauflauf ist: Die wollen alle Windstopper
Westen für fast umsonst!
Unser Hotel Lac Salin überzeugt durch einen
tollen Wellnessbereich und erstklassige Küche. Es kommt der Vorschlag auf, hier den Rest der Woche zu bleiben und
Tagestouren zu machen. Aber letztlich treibt es uns doch weiter.
[ 6. Tag ] Livigno - Bernina Pass - Sils (57 km, 1082 HM)
Am morgen ist es zwar kalt, aber der blaue Himmel kündigt einen schönen Tag an. Durch ein schönes Hochtal fahren wir in
Richtung Forcula di Livigno und sehen (und hören) unterwegs Murmeltiere. Kurz vor dem Pass müssen wir die Räder über einen
steilen Hang zur Straße tragen - aber was ist ein Transalp ohne Tragepassage.
Nach kurzer Abfahrt auf der Straße führt ein Trail in Richtung Berninapass. Und genau hier passiert es: an einer harmlosen
Bodenwelle bleibe ich hängen und lande auf dem Boden der Tatsachen, der hier leider nicht in Form von weichem Gras zur
Verfügung steht, sondern meinem Körper in Form von Felsblöcken entgegen tritt. Nach kurzer Schrecksekunde fahre ich aber mit Schmerzen weiter. Die letzten Meter zum Berninapass fahren wir auf der Straße und machen am Pass Mittagspause.
Die Bedienung erweist sich als ausgesprochen träge, es gibt aber einen sehr guten Apfelkuchen.
Die Abfahrt auf schönen Trails über Pontresina in Richtung St. Moritz führt entlang der Rätischen Bahn. Im Tal zieht
sich der Weg dann noch ein ganzen Stück bis Sils zum
Hotel Seraina.
Im Laufe des Tages sind die Schmerzen im Rippenbereich stärker geworden, so dass ich jetzt bis auf sitzen und flach atmen
nicht mehr viel machen kann. Die Untersuchung durch Dr. Bärbel ergibt den wahrscheinlichen Befund Rippenprellung, der
dann zuhause durch Röntgen bestätigt wird.
[ 7. Tag ] Sils - Colico (78 km, 519 HM)
Verletzungsbedingt fahre ich heute nicht mit dem Rad, sondern mit dem Gepäckbus. Ausgerechnet heute gießt es in
Strömen, so dass ich ein schlechtes Gewissen habe, als die anderen sich wetterfest verpackt auf den Weg machen.
Der Weg führt durch das Bergell und über Chiavenna an den Comer See und ist landschaftlich sehr reizvoll.
Im Hotel Risi in Colico erwarte ich die
Ankunft der Gruppe, die nach zwischenzeitlich besserem Wetter im Regen ankommt.
Nach dem Abendessen geht es noch ein eine Bar, um den Abschluss der Transalp würdig zu feiern.
[ 8. Tag ] Abreise
Nach dem Frühstück treten wir die Heimreise zuerst mit der Rad an, da die Innenstadt zu eng für den Bus mit Anhänger ist.
Als die Räder verladen sind, fahren wir los und stehen schon bald im Stau - die Realität hat uns wieder.
Durch Ober- und Unterengadin folgen wir dem Inn und kommen gegen 15:30 wieder in Imst an, um den zweiten Teil der
Rückreise getrennt anzutreten.
Auch meine bisher schönste Transalp hat mir wieder neue Erkenntnisse über diese Form der Freizeitbeschäftigung
eröffnet.
Die tägliche Sauna nach der Etappe lockert die Muskeln und scheint die Regeneration positiv zu beeinflussen.
An einem Transalp-Rad darf ein Schnellspanner an der Sattelklemme nicht fehlen, um vor anspruchsvollen Passagen, den
Sattel tiefer stellen zu können.
Im Wort Bremshebel kommt nicht von ungefähr der Bestandteil Hebel vor. Für eine optimale Bremswirkung sollte daher
der Angriffspunkt der Finger möglichst weit außen am Hebel sein, um so mehr Kraft auf die Bremse zu übertragen.
Und vielleicht ist ein Fully doch nicht so ein überflüssiger neumodischer Quatsch - aber nur vielleicht.
Für die Bilder bedanke ich mich bei der Köln-Dresdener Fraktion.
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