Mountainbike Transalp light
Einwöchige Tour im August 2006 mit dem DAV-Summit-Club.
Teilnehmer: Peter (Radführer), Gabi, Fred, Heinz 1, Heinz 2, Lutz, der Schwabenexpress (Gerhard, Martin,
Reiner und Thomas) und meine Wenigkeit
Nach der ersten Transalp vor einem Jahr wollte in diesem Sommer eine etwas anspruchsvollere Transalp-Variante fahren.
Die Route von Oberstdorf nach Meran mit Passübergängen bis 3000 m und längeren Schiebe- und Tragepassagen kam da gerade
recht. Ausgestattet mit meinem neuen - aber natürlich vorher eingefahrenen - Mountainbike machte ich mich also auf den Weg
ins obere Allgäu.
[ 1. Tag ] Anreise
Die Anreise mit der Bahn gestaltete sich leider etwas problematisch: eine Verspätung in Augsburg, der verpasste Anschluss,
ein Umweg über Ulm und ein Schienenersatzverkehr wegen einer Baustelle zwischen Ulm und Memmingen sorgten für mehr
als drei Stunden Verspätung.
Auf dem Weg vom Bahnhof ins Hotel bin ich dann zum Glück meiner Gruppe begegnet, so dass das Abendessen gerettet war. Von dem für Süddeutschland angekündigte Dauerregen ist hier wenig zu sehen. Das soll sich aber noch ändern ...
[ 2. Tag ] Oberstdorf - Oberjoch - Gaichtpass - Ehenbichl (66 km, 860 HM)
Schon in der Nacht trommelt der Regen auf das Dach des Hotels und lässt so recht keine Vorfreude aufs Radfahren aufkommen.
Nach dem Frühstück fällt die Wahl also auf Regenkleidung. Nach einem Zwischenstop am Laden vom Andi Heckmair mit
Gruppenbild führt die Strecke entlang der Iller leicht bergab in Richtung Sonthofen und von dort nach Hindlang
an des Fuß des Oberjochs. Am Beginn der Steigung hört der Regen dann auf, sodass man die warmen Regensachen ausziehen kann.
Der Anstieg zum 1130 m hohen Pass verläuft über schmale, teilweise asphaltierte Wege bis zum Parkplatz in Oberjoch.
Es folgt noch ein kurzer Anstieg bevor zuerst im Wald, später auf der Straße die Abfahrt ins Tannheimer Tal in Angriff
genommen wird.
Die Strecke durch das Tannheimer Tal verläuft auf Wirtschaftswegen mit geringem Höhenunterschied bis zum Gaichtpass, wo
wir über den alten Passwg mit schöner Aussicht ins Lechtal abfahren. Als wir ins Lechtal kommen, sind dort gerade die
Radrennfahrer der Deutschlandtour in Richtung Hahntennjoch vorbeigefahren.
Wir fahren noch etwa 10 km in Richtung Reute zu unserem Hotel in Ehenbichl. Da es den ganzen Tag bewölkt und kühl geblieben ist, muss die Sauna für die Temperaturen sorgen, die uns das Wetter heute leider versagt hat.
[ 3. Tag ] Ehenbichl - Hahntennjoch - Imst (62 km, 1260 HM)
Am Morgen bei kühlem Wetter das Lechtal fast ohne Steigung hinauf bis Elmen. Hier beginnt der Anstieg zum 1840 m hohen
Hahntennjoch. Da der Anstieg mit einer steilen Passage beginnt, ziehe ich die langen Sachen aus. Als die Steigung
flacher wird und leichter Nieselregen einsetzt, sind die warmen Klamotten aber schnell wieder angezogen.
Im Anstieg wechseln sich steile und weniger steile Abschnitte ab. In Pfafflar ist dann der größte Teile der
Steigung absolviert und wir haben uns die Mittagspause verdient. Die letzten Höhenmeter bis zur Passhöhe sind mit
vollem Magen etwas unangenehm zu fahren, aber Pfafflar ist die letzte Möglichkeit zur Pause vor Imst.
Am Pass ziehen wir uns warm an für die lange Abfahrt ins Inntal. Je weiter wir ins Tal kommen, desto sonniger und wärmer
wird es. Kurz nach Beginn der Abfahrt haben wir die erste Panne der Tour: am Hinterrad von Lutz sind zwei Speichen gebrochen. Er kann den Berg nur noch langsam abfahren und besorgt sich in Imst ein neues Laufrad.
Als wir kurz vor Imst die Straße verlassen und über Waldwege ins Hotel nach Gunglgrün fahren, trage ich zum
ersten Mal auf der Tour eine kurze Hose und ein kurzes Trikot. Der Sommer ist also doch noch da ...
[ 4. Tag ] Imst - Ötztal - Vent (75 km, 1750 HM)
Als wir nach dem Frühstück auf die Räder steigen wollen, beginnt es zu regnen und wir verschieben die Abfahrt um eine halbe Stunde - aber der Regen wird eher stärker. Wir fahren hinunter ins Inntal und auf Wirtschaftswegen hinauf nach Arzl im Pitztal, wo uns die zweite Panne der Tour ereilt. Am Rad von Fred bricht die eine Hinterradschwinge, sodass er mit dem Bus
zurück nach Imst fährt und mit einem Leihrad nachkommt. Einerseits Pech, andererseits aber unmittelbar an der
Bushaltestelle...
Von Arztl auf einer schmalen Straße parallel zum Inn nach Sautens am Eingang des Ötztals. Hier folgen sogleich die
Pannen drei und vier. Thomas hat kurz vor Sautens und dann nochmal im Ort einen Platten. Beim ersten Flicken ist eine
kleine Scherbe, die noch im Reifen steckte, übersehen worden.
Durch die Pannen haben wir etwas Zeit verloren und fahren daher zügig durch den Wald an der Talseite das Ötztal hinauf.
Als wir nach einer langen Steigung auf den Rest der Gruppe warten, warten wir sehr lange bis wir vermuten, dass sich drei
von uns wohl irgendwo verfahren haben. Nach diversen Versuchen, sie mit dem Handy zu ereichen können wir einen Treffpunkt an
der Straße bei Oetz ausmachen, wo wir uns dann wiederfinden. Nach einem kurzen Steilstück auf der Straße, führt der Weg wieder über unbefestigte Wege nach Umhausen, wo wir verspätet Mittagspause machen.
Abgesehen von einigen kurzen Abschnitten ist die Steigung nach Sölden eher moderat und der Regen hat inzwischen
aufgehört. Hinter Sölden durch ein Baustelle auf die Straße nach Zwieselstein, wo das Venter Tal abzweigt.
Hier beginnt es wieder zu regnen, als sich jeder in seinem Tempo auf die letzten 500 m Anstieg macht. Der Regen, die Kälte
und der teilweise steile Weg machen die letzten Kilometer nochmal sehr anstrengend. Aber mit etwas Powergel erreiche
ich kurz nach 18:00 Uhr Vent und freue mich auf eine warme Dusche und ein Radler.
[ 5. Tag ] Vent - Similaunhütte (13 km, 1270 HM)
Am nächsten Morgen ist es zwar kalt - wir sind auf fast 2000 m - aber die Sonne lässt sich an einem blauen Himmel
sehen. So machen wir uns auf den ersten, meist fahrbaren, Abschnitt unserer heutigen Etappe zur Martin-Busch-Hütte auf.
An einigen Stellen ist der Weg so steil, dass mein Vorderrad nicht mehr am Boden bleibt, was die Beherrschung des Gefährts
doch etwas erschwert. Die Wanderer, die mit uns in Vent aufgebrochen sind, kommen eigentlich fast genauso schnell voran,
wie wir auf den Rädern und ich habe das Gefühl, die machen sich über uns lustig, dass wir so blöd sind, auf so einem Weg
mit dem Rad unterwegs zu sein.
Während der Pause auf der Martin-Busch-Hütte wechsele ich von Radschuhen zu Trekkingschuhen, denn ab jetzt wird geschoben.
Zunächst verläuft der Weg zur Similaunhütte relativ flach und das Rad muss nur hin und wieder über einige Felsblöcke
gehoben werden. Etwa nach der halben Strecke kommt dann aber ein steiler Abschnitt der nur mit Tragen der Räder zu
überwinden ist. Danach führt der Weg leicht hinunter zum Gletscherrand und ein kurzes Stück durch den Schnee. Der letzte Anstieg zur Hütte zwingt nochmal zum Schultern der Räder, doch dann sind wir erschöpft aber zufrieden auf 3000 m - der
höchste Punkt der Tour.
Am Spätnachmittag zieht sich der Himmel zu und es beginnt zu scheien, aber wir sitzen warm in der Hütte und sind mit
Getränken bestens versorgt. Nach einem gemütlichen Hüttenabend geht es früh ins kalte Nachtlager.
[ 6. Tag ] Similaunhütte - Meran (43 km, 50 HM)
Seit gestern Abend sind ein paar Zentimeter Schnee gefallen, die uns die steilen ersten 200 m Abstieg nicht unbedingt
erleichtern. Dan ist der Weg aber schneefrei und man sieht bereits den Vernagt-Stausee weit unter uns im
Schnalstal liegen. Der 'Traumtrail' aus dem Katalog ist es aber dann leider doch nicht, da selbst gute Fahrer immer
wieder absteigen und schieben müssen. Mit meinen Trekkingschuhen bleibe ich deshalb lieber ganz beim Gehen.
Von Vernagt aus fahren wir dann auf der Straße das Schnalstal hinaus in Richtung Etsch. Ca. 1500 Höhenmeter auf einer
Strecke von weniger als 20 Kilometer erfordern die volle Konzentration, da immer wieder Autofahrer beim
Überholen ziemlich wenig Abstand halten. Jetzt weiß ich wieder, warum ich eigentlich lieber bergauf fahre ...
Die neuen Tunnel im unteren Teil des Tals umfahren wir auf den Resten der alten Straße, die allerdings etwas
steinschlaggefährdet sind.
Im Etschtal angekommen ist es warm aber schon sehr bewölkt. Nach der Mittagspause in Naturns fahren wir entlang der
Etsch nach Meran hinein, wo wir kurz vor einem Gewitter ankommen. Man muss auch mal Glück mit dem Wetter haben.
Nach dem Gewitter wird das Wetter wieder sommerlich und wir können die Stadt erkunden und uns von den Strapazen der Tour
erholen.
[ 7. Tag ] Abreise
Nach dem Frühstück wartet schon der Bus, der uns über den Reschenpass mit Zwischenstop in Imst zurück nach Oberstdorf
bringt. Dort sind wir so zeitig, dass ich einen Zug früher als geplant in Richtung Ulm nehmen kann und so
einen kleinen Puffer für eventuelle Verspätungen auf der Weiterfahrt habe. Die Rückfahrt verläuft planmäßig und weit
weniger chaotisch als die Hinreise, sodass ich gegen Mitternacht pünktlich zuhause ankomme.
Diese Tour war auf den Fall anstrengender als meine erste Transalp im vorigen Jahr. Insbesondere der vierte und fünfte
Tag haben es in sich. Mein neues Rad hat sich bestens bewährt. Besonders die blockierbare Federgabel ist wirklich
eine tolle Sache. Damit kann man bergauf immer mal wieder in den Wiegetritt wechseln und so Verspannungen im Rücken
lockern. Außerdem habe ich festgestellt, dass Beinlinge unpraktischer sind als eine lange Radhose.
Die Pläne für die nächste Transalp: Im Summit-Katalog 2007 ist eine neue Tour durch die Schweiz vom Bodensee an
den Lago Magiore. Klingt sehr interessant ...
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