Trekking in den Südkarpaten in Rumänien

Zweiwöchige Reise im Sommer 2002 mit Hauser exkursionen (zum ersten Mal mit Hauser).
In die Karpaten wollte ich schon lange, aber die Tour vom Summit-Club war mir zu kurz und zu teuer. Da kam mir diese Pioniertour, die in einem Sonderprospekt von Hauser angeboten wurde, gerade recht.

Teilnehmer: Radu, Dinu (Reiseleiter; Bergführer), Annette, Lilli, Albrecht, Waldfried (Walli), Herbert, Bernd, Dieter, Gerhard, Josef, Wolfgang, Karl und Dirk.
Dazu kamen noch diverse Helfer von Radus Agentur interpares, die uns kurz begleitet haben oder Lebensmittel zu den Hütten gebracht haben (dazu später mehr).

[ 1. Tag ]
Flug nach München und Busfahrt zum Treffpunkt im Hauptbahnhof. Normalerweise sollte man solche Kurzstrecken ja besser mit der Bahn fahren, aber im Hinblick auf die noch anstehende Zugfahrt und die ungünstige Bahnverbindung bei der Rückfahrt habe ich mich für den Flug entschieden. Billiger als die Bahn war's leider auch noch (Schande über Herrn Mehdorn).
Bahnfahrt über Salzburg nach Wien. Von dort mit dem Dacia-Express im Liegewagen bis Alba Iulia in Rumänien. Dort Ankunft am ...

[ 2. Tag ]
Hinter der Grenze ist Alex von Radus Agentur mit den Bahn-Tickets für Rumänien zugestiegen. Von Alba Iulia bis Sibiu geht's mit dem Bus in etwa einer halben Stunde. Erste Eindrücke von Rumanien im Vorbeifahren. In Sibiu (Hermannstadt) geht's ins Hotel, das sehr schön an einem Park liegt. Am Nachmittag Stadtführung mit Frau Grau, einer pensionierten Lehrerin des Deutschen Gymnasiums in Sibiu, die der Siebenbürgischen Minderheit angehört.
Sibiu ist sehr suber und hat zumindest im Zentrum viele gut erhaltene alte Gebäude, weiter draußen findet man aber auch Plattenbauten.
Alex hat wie Radu das Deutsche Gymnasium besucht und ist jetzt Grundschullehrer. Lehrer werden in Rumänien an einer Art Berufsschule ausgebildet und brauchen kein Studium. Dafür verdient ein Grundschullehrer (laut Alex) ein Drittel des Gehalts einer Putzfrau bei der Telefongesellschaft. Deshalb hat Alex noch diverse Nebenjobs und studiert.

[ 3. Tag ]
Am Morgen mit Alex in die Stadt zum Geldwechseln (1,2 mio Lei für 40 Euro - ich bin Millionär!!!) und zum Postkarten kaufen. Einige Kollegen aus der Gruppe versuchen noch Handschuhe zu kaufen, was sich als schwierig erweist.
Nach dem Mittagessen werden wir mit dem Bus zum Ausgangspunkt des Trekkings gefahren. Radu und Dinu laden zu ihrem eigenen Gepäck noch einen zweiten Rucksack mit Lebensmitteln. Anstieg zur Barcaciu-Hütte (+850 HM, 3,5 Stunden). Lange keinen Rucksack mehr getragen und ganz schön ins Schwitzen gekommen. Die Hütte ist einfach, aber gemütlich.
Für die nächsten Tage sind wir in den Fogarascher Bergen unterwegs, dem höchsten Massiv der Karpaten. Der Gebirgszug fällt nach Norden recht schnell ab und zieht sich nach Süden in langen Tälern und Bergrücken in die Walachei. Aus diesem Grund liegen die Hütten auf der Nordseite des Hauptkamms. Die Karpaten bilden die Grenze zwischen Transsilvanien im Norden und der Walachei im Süden.

[ 4. Tag ]
Rundtour von der Hütte (1550m) über den Ciortea-Gipfel (2306m) zum Avriger Tor. Von der dort aus steiler, wegloser Abstieg zum Avriger See (2040m). Nach einer ausgiebigen Pause (hierfür sind die ganzen mitgeschleppten Lebensmittel) zurück zur Hütte. 6-7h und 1050HM. Abends an der Hütte Lagerfeuer.

[ 5. Tag ]
Wechsel zur Negoiu-Hütte (1546m). Leichter Weg, kaum Höhenmeter. Nach 3 Stunden erreichen wir die Hütte, ein großer Steinbau, der aber schon bessere Zeiten erlebt hat. Nachmitags Ausflug zum nahegelegenen Serbota-Wasserfall. Der Aufstieg durch dichtes Gestrüpp neben den Wassefall ist ziemlich schweißtreibend. Erfrischung bei einem kurzen Bad in einem der Becken des Wasserfalls. Warm ist entschieden anders. Abends dafür warme Dusche auf der Hütte.

[ 6. Tag ]
Heute wirds anstrengend. Rundtour von der Hütte auf den Negoiu (2535m, zweithöchster Berg Rumäniens). Auf dem Rückweg über einen Grat zum Serbota- Gipfel (2331m). Unterwegs fängt es an zu regnen, was die teilweise ziemlich haarigen Kletterstellen nicht unbedingt einfacher macht. Der weitere Abstieg zieht sich unendlich und die Gruppe völlig auseinander. 8h, 1500HM. Abends wieder warme Dusche! Der Abstieg über die Treppe zum Speisesaal wird aufgrund von Muskelkater zur Tortur.

[ 7. Tag ]
Wieder ein Hüttenwechsel. Erst wie gestern in Richtung Negoiu-Gipfel, dann durch eine steile, enge Scharte zum Caltun-See. Mittagspause. Dann stetiges Auf und Ab immer im Bereich des Haptkammes. Abstieg zur Balea-See-Hütte (2034m), einem Hotel an der Passstraße, die am Balea-See die Gebirgskette durchschneidet. 7h, 820HM. Anstrengend, da mit vollen Gepäck. Abends überraschend kalte Dusche, da der Sohn der Wirtin vergessen hatte, das Wasser zu heizen. Die Wirtsleute sind Siebenbürger Sachsen und haben lange in Deutschland gelebt. Nachts bekomme ich Durchfall, was für den nächsten Tag nichts Gutes ahnen lässt.

[ 8. Tag ]
Der Horrortag! Von der Hütte 300m zum Capra-Sattel. Ich bin wegen des Durchfalls total schlapp und schleppe mich apatisch dahin. Pause am Capra- See. Ein Orange ist zwar nicht gut für meinen Magen, gibt mir aber irgendwie doch Kraft. Dann wieder ständiges Auf und Ab von Sattel zu Gipfel bis zum Podragu-Sattel (2314m). Wie inzwischen jeden Nachmittag leichter Regen. Vom Sattel aus recht steiler Abstieg zur Hütte. Völlig am Ende. Die Hütte ist ein schöner, alter Steinbau, der leider in keinem guten Zustand ist. Insbesondere die Toilette kann nicht empfohlen werden. Es gab mal eine Kooperation mit dem DAV, um die Hütte in Schuss zu bringen. Ist aber wohl wieder eingeschlafen. Die Hütte ist vom Tal sehr schlecht zu erreichen. Zwei junge, australische Geologen verbringen hier ihre Freizeit. 7h, 1100HM.

[ 9. Tag ]
Aufstieg zum Podragu-Sattel in Richtung Moldoveanu. Immer Auf und Ab bis wir schließlich auf dem höchsten rumänischen Berg (2544m) stehen. Nach kurzem Abstieg Mittagspause. Mir geht es wieder etwas besser. Weiter in Kammnähe bis zum kleinen Sambata-Fenster. Von hier aus langer Abstieg bis zur Sambata-Hütte auf 1401m. Wieder unter der Baumgrenze. In der Nähe der Hütte hat ein Bergrutsch das halbe Tal zugeschüttet. 8h Gehzeit.

[ 10. Tag ]
Schöner Abstieg durch den Wald und an einem kleinen Fluß entlang. Dann über einen Fahrweg zum Sambata-Kloster, das wir gemeinsam besichtigen. Eine sehr schöne Klosteranlage, die von vielen Rumänen besucht wird. Fahrt auf dem Anhänger eines kleinen Traktors ins Dorf Sambata de Sus. Übernachtung bei einer Bauernfamilie im Heu. Einige Leute aus der Gruppe trinken mehr vom Selbstgebrannten als sie vertragen.

[ 11. Tag ]
Mit dem Bus nach Zarnesti ("Sernescht") an den Fuß des Königstein, einem relativ kleinen, steilen Kalkstein-Massiv. Aufstieg zur Curmatura-Hütte (1470m). Eine einfache, aber sehr gemütliche Hütte. Der Hüttensieger der Tour. 3h, 800HM. Vor dem Abendessen erleichtern wir das Gepäck unserer Guides um diverse Tafeln Schokolade, was sich leider negativ auf den Appetit beim Abendessen auswirkt.

[ 12. Tag ]
Das Wetter sieht nicht gut aus. Wir steigen zum Kamm des Königstein auf und finden uns in dichten Wolken wieder. Statt der Kammwanderung steigen wir auf der anderen Seite ab. Der Weg ist teilweise sehr steil und man rutscht auf dem losen Schotter talwärts. Pause auf einer Bergwiese. Hier scheint wieder die Sonne. Die "Hütte" ist eher ein Hotel und wird teilweise von neureichen Rumänen bewohnt, liegt aber seht schön mit Blick auf den gesamten Königstein. Am späten Nachmittag Gewitter mit Wolkenbruch. Gut, dass wir schon hier sind. 4h, etwa 1000HM.

[ 13. Tag ]
Auf dem Kamm des Königstein liegt Schnee und es ist kalt und regnerisch. Wandern entfällt heute. Kurzfristig wird ein Alternativ-Programm erstellt: Der Kleinbus des Hotels bringt uns in zwei Etappen nach Zarnesti. Von dort mit dem Linienbus nach Bran. Besichtigung des Schloßes, dass als Wohnsitz Draculas vermarktet wird, Dracula-Kitsch auf dem Dracula-Flohmarkt inclusive. Weiter mit dem Linienbus nach Rossov (Rosenau), wo wir die Burg besichtigen. Mit dem Zug zurück nach Zarnesti, dann mit dem Kleinbus zur "Hütte". Heute viel interessantes Alltags-Rumänien gesehen. Abends zum ersten Mal seit zwei Wochen rasieren!

[ 14. Tag ]
Die ganze Gruppe fährt auf dem Anhänger eine Minitraktors nach Zarnesti und mit dem Bus nach Brasov (Kronstadt). Das Gepäck lassen wir am Bahnhof. Besichtigung der Innenstadt mit der Schwarzen Kirche. Mit reichlich Wegzehrung versorgt steigen wir abends in den Dacia-Express in Richtung Wien. Der Abschied von den Giudes fällt schwer. Walli bekommt zum Abschied eine T-Shirt, auf das einige seiner Sprüche der Tour gedruckt sind. Radu hatte den Auftrag von unterwegs telefonisch durchgegeben.

[ 15. Tag ]
Morgens in Wien. Weiter über Salzburg nach München. Zum Flughafen und nach Hause.

[ Versuch einer Bilanz: ]
Rumänien ansich und die Berge besonders sind eine (oder mehrere) Reisen wert. Auch die Hauptrouten im Gebirge sind relativ wenig begangen, aber teilweise recht ausgesetzt und die Kletterstellen nicht immer versichert. Gut, dass wir zwei so kompetente Führer hatten, die uns sicher über die Schwierigkeiten gelotst haben und uns nebenbei (etwas übertrieben) auch tagsüber während der Pausen mit Schokolade und sonstigen Leckereien versorgt haben. Kein Wunder, dass ich nicht nennenswert abgenommen habe.

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