Annapurna-Durchquerung in Nepal

Dreiwöchige Reise im April 2007 mit Hauser exkursionen. In 17 Trekkingtagen folgt die Route zunächst der Annapurna- Umrundung durch das Tal des Marsyandi und steigt dabei langsam von 800m auf 3500m an. In Manang werden wir dann von der Hauptroute abweichen zum etwa 5000m hohen Tilicho-See und weiter zum nördlichen Mesukantu-Pass, von dem aus wir in das Tal des Kali Gandaki absteigen. Danach folgen noch einige Tage im unteren Mustang-Gebiet bevor wir von Jomsom nach Pokhara fliegen.
Dabei werden wir fast alle Vegetationszonen kennenlernen, die Nepal zu bieten hat. Von der feuchten, subtropischen Landschaft zu Beginn über trockene Hochgebirgstäler im Regenschatten der 8000er bishin zu hochalpinem Schnee und Eis.

Da auf dieser Trekkingroute im Bereich des Tilichosees einige Tage keine Lodges zur Verfügung stehen, kann sie nur als Zelttrekking begangen werden, was mir sehr entgegen kommt, da ich bei dieser Form des Trekking nach wie vor mehr Vorteile (Unabhängigkeit, Hygiene, Gesundheit) als Nachteile (etwas kälter, Mehrkosten) sehe. Leider geht der Trend und die Kundennachfrage offenbar weiter zum Lodgetrekking.

Teilnehmer: Narayan (Reiseleiter), Beate und Beat, Dirk, Lies, Ludwig und Winfried
Begleitmannschaft: Apassang Sherpa (Sirdar), Gyalden Sherpa und Papi Shankar Rai (Sherpas), Koch Garu Sherpa mit vier Helfern und diverse Träger

Ursprünglich hatte ich eine zweiwöchige Tour im Lamjung Himal, also im Südosten der Annapurna-Kette, gebucht. Da diese mangels Teilnehmer nicht zustand kam, musste ich mich nach einer Alternative umsehen und war mir gar nicht sicher, ob ich mir die zusätzliche Trekkingwoche und die 1000 Meter mehr Maximalhöhe zumuten konnte und wollte. Aufgrund von beruflichen und privaten Terminen kam aber sowieso keine andere Tour in Frage, also: Augen zu und durch.

Der besondere Reiz der Annapurna-Tilicho-Tour ist sicherlich, dass man für fast eine Woche abseits der vielbegangenen Route ist und wenige oder gar keine anderen Trekker trifft. Durch die niedige Starthöhe von 800 m und den langsamen, gleichmäßigen Anstieg kann sich der Körper sehr gut an die Höhe gewöhnen. Bei entsprechendem Verhalten (langsam gehen, keine plötzlichen hohen Belastungen) kann die Höhenkrankheit so recht sicher vermieden werden.
Die folgenden Höhendifferenzen und Gehzeiten sind aus der Reisebeschreibung übernommen und sollen nur als ungefähre Orientierung dienen.

Für die tollen Fotos danke ich meinen Mitreisenden. Beim Überfahren eines Bildes mit der Maus wird im Tooltip eine kurze Beschreibung des Fotos sichtbar, beim Klicken auf ein Bild wird das Foto in einem neuen Fenster vergrößert dargestellt.

[ 1. Tag ] Hinflug
Früh aufstehen ist angesagt, denn schon um 7:10 geht mein Flug nach Wien. Von dort fliege ich um 10:15 mit Austrian nach Kathmandu. Nach der Ankunft um 21:50 (Zeitverschiebung zur MESZ +3h 45min) und der Einreiseprozedur inklusive Visum (30$ oder 25€) lerne ich vor dem Flughafengebäude Narayan und die anderen Teilnehmer kennen.
Fahrt zum nahegelegenen Hyatt-Hotel, einer großzügigen 5-Sterne Anlage nahe der Stupa von Bodnath.

[ 2. Tag ] Kulturtag in Kathmandu
Nach dem Frühstück zu Fuß über Nebenstraßen zum Hindu-Heiligtum Pashupatinath am Fluss Bagmati. Pashupatinath ist der für Hindus heiligste Ort in Nepal. Im Haupttempel wird der Gott Shiva in seiner Inkarnation als Herr der Tierwelt verehrt. Auf den angrenzenden Ghats am Fluss werden Leichen verbrannt - es gilt als positiv für die nächste Wiedergeburt, wenn man hier verbrannt wird und die Asche über den Bagmati in den heiligsten Fluss Ganga gelangt.
Wieder über kleine Nebenstraßen, in die sich sicherlich sonst eher keine Tourist verirrt, gehen wir anschließend zur Stupa von Bodnath, dem größten buddhistischen Heiligtum Nepals, in dessen Umfeld sich viele Exiltibeter angesiedelt haben.
Nach dem Mittagessen in einem Dachgartenrestaurant mit Blick auf die Stupa gehen wir zurück ins Hotel, um die letzten Vorbereitungen für das Trekking zu treffen. Die Hauptfrage hier: Welche Kleidung wird mit genommen und was kann in Kathmandu bleiben?



[ 3. Tag ] Busfahrt nach Besisahar
In Kathmandu sammeln wir den Teil der Mannschaft auf, der mit uns im Bus an den Ausgangsort des Trekkings fährt. Hinter dem Thankot-Pass, dem einzigen Landweg aus dem Kathmandu-Tal nach Südnepal und Indien, hat sich ein langer Stau gebildet, durch den wir etwa eine Stunde verlieren. Die Straße folgt zunächst dem Trisuli und dann dem Marsyandi Khola, dem wir von der Abzweigung bei Dumre auf einer unbefestigten Straße weiter folgen. Nach einer späten Mittagspause in Besisahar beschließen wir, die Trekkingetappe zu verkürzen und noch ein Stück auf der immer schlechter werdenden Piste zu fahren, damit wir noch bei Tageslicht in Bhulbhule (800m) ankommen. Da es inzwischen auch angefangen hat zu regnen, sind alle sofort einverstanden.
Auf dem kurzen Trekkingstück überqueren wir dann zum ersten Mal den Marsyandi Khola, dem wir nun eine Woche folgen werden, auf einer Hängebrücke ehe wir (das heißt die Sherpas) die Zelte am Fluß aufschlagen.



[ 4. Tag ] Bhulbhule - Bahundanda - Syange (Aufstieg 410m, Abstieg 200m, 7 Stunden)
Die erste Trekkingetappe führt über Bahundanda nach Syange zunächst ohne große Höhenunterschiede am Fluss entlang. Hinter Ngadi beginnt dann der steile Aufstieg nach Bahundanda (etwa 300 HM). Hier treffen wir zum ersten Mal auf eine Gruppe junger Israelis, deren weibliche Vertreter sich (und uns?) den Aufstieg durch ihren Gesang erleichtern. Nach einem kurzem Abstieg machen wir Mittagspause und gehen dann gestärkt das letzte Stück nach Syange (1100m).
Heute und auch an den folgenden Tagen zeigt sich das Wetter jahreszeittypisch: morgens wolkenlos, ab Mittag leichte Wolken und am Spätnachmittag stark bewölkt mit Regen und Gewitter.



[ 5. Tag ] Syange - Chamje - Tal (Aufstieg 850m, Abstieg 150m, 7 Stunden)
Direkt hinter Synge beginnt ein langer Aufstieg nach Jagat, wo wir bei einer Pause in einer Lodge eine Petition gegen den Weiterbau der Straße im Marsyandi-Tal unterschreiben. Die unbefestigte Straße ist teilweise bereits bis hinter Chame, das wir in drei Tagen erreichen, fertiggestellt. Allerdings fehlen noch viele Teilabschnitte in schwierigem Gelände, so dass erst in 5 bis 10 Jahren mit einer durchgängig befahrbaren Straße zu rechnen ist. Wenn dann noch der Anstieg nach Pisang überwunden wird, ist das Gelände bis Manang auch kein Hindernis mehr. Für eine Trekkingtour verliert das Tal dadurch allerdings jeglichen Reiz. Wer wandert schon gerne tagelang auf der Straße oder zumindest in Sicht- und Hörweite zu dieser.
Ohne größere Höhenunterschiede verläuft der weitere Weg bis Tal (1700m, nepal. See), wo ein Erdrutsch vor einigen Jahren den Marsyandi aufgestaut und das gesamte Dorf überflutet hat. Am späten Nachmittag sehen wir zum ersten Mal mehrere Adler über dem Dorf und am Hang über unserem Zeltplatz. Da im Annapurna Schutzgebiet die Jagd verboten ist, werden wir noch häufiger in den Genuss dieses Anblicks kommen.



[ 6. Tag ] Tal - Dharapani - Tanchok (Aufstieg 1200m, Abstieg 500m, 6 Stunden)
Bis Dharapani wechseln wir dreimal die Flusseite, der Weg führt daher ständig auf und ab. Mittagspause in Dharapani mit Aussicht auf das Manaslu-Massiv, dessen Umrundungsweg hier vom Larkya-Pass auf unseren Weg trifft. Hier wendet sich der Weg nach Westen, nachdem wir zuvor einige Tage nach Norden gegangen sind. Nach der Überqurung eines Nebenflusses beginnt ein steiler Aufstieg in Richtung Tanchok (2600m), wo wir kurz vor dem Ort bei einer Lodge die Zelte aufbauen. Beim Abendessen in der Lodge wird der napalesische Wortschatz um 'banda, banda' (Tür zu, Tür zu) erweitert, da bei offender Tür ein kalter Wind in den Raum weht.



[ 7. Tag ] Tanchok - Bhratang - Pisang (Aufstieg 750m, 6 Stunden)
Beim Aufstehen bietet sich uns eine atemberaubende Aussicht auf das Manaslu-Massiv. Nach kurzem Ab- und Aufstieg ein ebener Weg durch den Wald bis Chame, dem Verwaltungssitz des Manang-Distrikts, in dem wir uns noch bis zum Pass aufhalten werden. Hier werden auch die Trekking-Permits kontrolliert. Fast ohne spürbaren Höhenunterschied über Bhratang an den Beginn des Anstiegs nach Pisang, der durch einen sehr schönen Wald führt und den ich sehr genieße, da die Gruppe weit auseinander geht und ich die Ruhe genieße. Leider laufe ich mir hier eine Blase, die aber sofort versorgt keine Probleme bereitet.
Heute stehen die Zelte auf einer großen Lichtung kurz vor Pisang. Jetzt sind wir bereits auf 3300m und man beginnt die Höhe zu spüren. Auch die Landschaft ändert sich hier zu einem breiten Hochtal.
Zur Akklimatisation wandern wir in den älteren Ortteil von Pisang etwa 200m hinauf und besichtigen die Gompa, die relativ neu ist und von wohlhabenden Kaufleuten aus Pisang bezahlt wurde. Hier bekommen wir von einem Mönch Glückskordeln für den weiteren Verlauf der Tour, die wir von nun an immer um den Hals tragen müssen.
Unsere einzige Trägerin ist heute gestürzt und kann nicht weitergehen. Sie und ihr Mann kehren deshalb morgen um und bekommen ein großzügiges Trinkgeld.



[ 8. Tag ] Pisang - Ghyaru - Ngawal - Braga (Aufstieg 800m, Abstieg 300m, 7 Stunden)
Während die Träger heute den kürzeren Weg im Tal nehmen, wechseln wir die Flusseite und gehen zunächst ohne großen Höhengewinn durch einen Nadelwald. Hinter einer Brücke beginnt dann der steile Aufstieg nach Ghyaru, bei dem ich zum ersten Mal die Stöcke zur Hilfe nehme. Von hier führt der Weg fast eben nach Ngawal, wo wir in einer Lodge Mittagspause machen. Im Tal sehen wir die Flugpiste von Hongde und weiter talaufwärts unser Tagesziel Braga (3450m), dessen alter Ortsteil am Berghang liegt und der noch völlig in typischer, alter tibetische Bauweise erhalten ist.



[ 9. Tag ] Braga - Manag - Khangsar - Thare (Aufstieg 550m, 5 Stunden)
Nach dem Frühstück besuchen wir die 500 Jahre alte Gompa in alten Ortsteil und gehen dann nach Manang, dem Hauptort dieses Hochtals. Hier legen die meisten Trekker, die über den Thorong La gehen, einen Akklimatisationstag ein, weshalb es hier neben einem Internetcafe auch ein Kino mit englischsprachigen Bergfilmen gibt.
Unsere Route zweigt hier in das Khangsar-Tal ab. Das einzige Dorf in diesem Tal, Khangsar, erreichen wir nach einem kurzen Anstieg am Mittag. Nach einer Pause gehen wir weiter bis zu unserem Lagerplatz beim alten Kloster Thare auf 3800m.
Da wir zeitig eintreffen, scheint noch die Sonne und wir können Zelte und Schlafsäcke gründlichen lüften und trocknen.



[ 10. Tag ] Thare - Top of the Col - Tilicho Base Camp (Aufstieg 800m, Abstieg 480m, 6 Stunden)
Statt der Lower-Route zur Tilicho Base Camp Lodge, die von der Mannschaft genommen wird und die an einigen Stellen sehr steil zum Fluss hin abbricht, nehmen wir die Upper-Route über den Aussichtsberg 'Top of the Col' (4500m). Dies dient vor allem der besseren Akklimatisierung (Go high, sleep low). Bis auf einige steile Geröllfelder im Gipfelbereich haben wir keine Probleme. Man muss halt immer langsam gehen ('pistare, pistare'), dann kommt man auch oben an. Vom Gipfel hat man eine tolle Aussicht auf die 7000er der Umgebung (Annapurna III, Gangapurna, Roc Noir, Annapurna I, Tilicho Peak).
Der Abstieg zur Tilicho Base Camp Lodge führt über ein fast 500m hohes Geröllfeld, das normalerweise in Serpentienen hinabgegangen wird. Auf Anregung von Beate und Beat 'fahren' wir den Hang auf Schuhsohlen in der Fallinie hinunter. Das macht Spaß und spart Zeit. Allerdings sind wir so schon zur Mittagspause am Ziel.



[ 11. Tag ] Ruhetag (Aufstieg 500m, Abstieg 500m, 3 Stunden)
Der Ruhetag dient der Akklimatisation. Daher gehen wir am Morgen auf einen 4500m hohen Aussichtsberg. Von hier aus sehen wir die Flanke des 'Top of the Col', die wir gestern abgefahren sind, und sind überrascht, wie steil sie aus der Entfernung wirkt. Auch ein großer Teil des morgigen Anstiegs ist von hier aus zu sehen.
Nachdem wir die Aussicht eine halbe Stunde genossen haben, steigen wir ins Lager ab. Der Rest des Tages wird mit Lesen, Körperpflege und kleineren Spaziergängen verbracht. Beat und Ludwig gehen mit Pappi auf den Gletscher an der gegenüberliegenden Talseite.
Zur Feier des nepalesichen Neujahrsfestes (es beginnt das Jahr 2064) hat unser Koch Garu einen Kuchen gebacken, den er nach dem Abendessen präsentiert.



[ 12. Tag ] Tilicho Base Camp - Tilicho See (Aufstieg 1050m, 6 Stunden)
Der Weg zum Tilichosee führt gleichmäßig ansteigend an der nördlichen Talseite zu einem etwa 5000m hohen Kamm. Im oberen Bereich sind einige steile Geröllfelder zu queren, worin wir allerdings inzwischen Erfahrung haben. Am Kamm machen wir Pause und ziehen die Gamaschen an, denn ab hier führt die Route meist durch Schnee, in den man auch schonmal bis zum Knie einsinkt.
Da ich wie immer wenig Geduld habe, starte ich als Erster zum See, den ich nach etwa 30 min erreiche. Ein paar andere Trekker, die einen Tagesausflug von der Base Camp Lodge machen, sind schon hier und auch der Rest der Gruppe kommt bald nach. Vom Aussichtspunkt in etwa 4900m blickt man auf den zugefrorenen und teilweise schneebedeckten See, der etwa 100m tiefer in einer Senke liegt. Die offizielle Höhenangabe des Sees scheint mit 4920m etwas übertrieben und wird auch von den Höhenlinien in der Karte nicht bestätigt. Vielleicht ist die tatsächliche Höhe Opfer des Kampfes um den Titel 'Höchster See der Erde' geworden.
Für Hindus ist der Tilichosee ein heiliger See, er wird jedoch in der Regel nicht von Pilgern besucht, da er nur schwer zu erreichen ist.
Vom See zum Lager windet sich eine Spur durch die Hügel und der Weg wird länger und anstrengender als erwartet. Aber schließlich sind wir auf 5000m, das muss man ja mal langsam spüren.
Sowohl aus dem Khangsar-Tal wie auch vom Kali Gandaki ziehen dichte Wolken heran und treffen über dem See zusammen. Zum Glück stehen die Zelte bevor das Gewitter mit Schneesturm losgeht. Die Sherpas müssen die Zelte mit schweren Felsbrocken sichern, da der Sturm sie (die Zelte, nicht die Sherpas) sonst möglicherweise weggeweht hätte. Nach einer Stunde beruhigt sich das Wetter aber wieder und wir können für Morgen auf gute Bedingungen hoffen.



[ 13. Tag ] Tilicho See - Eastern Pass - Mesukantu La - Tachi Bug (Aufstieg 450m, Abstieg 1450m, 9 Stunden)
Wegen des langen Weges ist heute um 6:15 Abmarsch. Kurz vor dem steilen Aufstieg zum Eastern Pass (5350m) bekomme ich Kreislaufprobleme, da meine Hände zu kalt werden. Nach einer kurzen Pause und mit Ludwigs Handschuhen, in denen ich die Finger zur Faust ballen kann, gehe ich erstmal ohne Stöcke weiter. Der Weg ist teilweise sehr steil und an einer Stelle muss man die Hände kurz zur Hilfe nehmen, bevor es dann wieder weniger steil die letzten Meter zum Pass geht.
Vom Eastern Pass führt die Route etwa 3 Stunden durch ein leicht hügeliges, schneebedecktes Hochtal zum nördlichen Mesukantu Pass (5400m), der nicht identisch ist mit dem in den meisten Karten zu findenen traditionellen Mesokantu Pass, der weiter südlich liegt und etwas niedriger ist, aber dessen Abstieg durch militärisches Sperrgebiet führt.
Wir haben heute großes Glück mit dem Wetter und können so trotz der Anstrengung die tolle Aussicht genießen.
Am Pass versammelt sich dann die ganze Mannschaft, damit Apassang die Verhältnisse am steilen Abstieg begutachten kann. Wenn der erste, sehr steile Teil des Abstiegs stark verschneit oder vereist ist, müssen Träger und Teilnehmer hier eventuell abgeseilt werden. Die Bedingungen sind jedoch optimal und wir können den langen und anstrengenden Abstieg ins Lager auf einer Alm in 4000m Höhe beginnen. Der Abstieg führt zunächst durch Felsen und Schnee, dann über spärlich bewachsene Hochalmen und schließlich durch dichter bewachsenes Gelände mit ersten Bäumen.
Als wir am Lagerplatz ankommen, bin ich ziemlich erledigt aber froh den Tag so gut überstanden zu haben.



[ 14. Tag ] Tachi Bug - Thini - Marpha (Abstieg 1450m, 6 Stunden)
Heute nochmal 1400m Abstieg ins Tal des Kali Gandaki. Der Abstieg beginnt flach und zieht sich in die Länge bevor er dann kurz vor Thini etwas steiler wird. Wir kommen an einigen Hütten vorbei, in denen im Sommer Hirten mit ihrem Vieh leben, die aber jetzt noch unbewohnt sind.
In Thini machen wir Mittagspause in einem Bauernhaus. Die alte Bäuerin erzählt Narayan, dass sie als Jugendliche einmal mit Freunden am Tilicho See war.
Nach dem Mittagessen gehen wir noch etwa 2 Stunden bis Marpha (2650m), wo die Zelte im Garten einer Luxus-Lodge am Ortseingang stehen. Die Lodge gehört einem sehr wohlhabenden ehemaligen Bildungsminister, der sie mehr als Hobby denn zum Lebensunterhalt betreibt. Wir können zwei der sehr schön eingerichteten Zimmer benutzen, um uns zu duschen - die zuhause alltägliche warme Dusche kann auch ein hochgeschätzter Luxus sein.
Am Abend spendieren wir den Trägern zum Dank für ihre Mühe bei der Passüberschreitung das eine oder andere hochgeistige Getränk.



[ 15. Tag ] Ruhetag
Am Morgen besichtigen wir zunächst Marpha, ein sehr schönes, aber auch sehr touristisch geprägtes Dorf mit seinem großen Kloster und gehen dann etwa 30 Minuten zu einer Siedlung von Exiltibetern, die sich hier in den Jahren nach der chinesichen Besetzung ihrer Heimat niedergelassen haben. Am Rand des Dorfes besichtigen wir ein sehr altes Kloster, dass gerade renoviert wird.
Auf dem Rückweg nach Marpha fallen mir, wie auch gestern schon, die Motorräder und Traktoren auf, die hier auf der recht gut befahrbaren Piste ständig angesaust kommen. Wer beim Trekking also nicht vom Traktor überfahren werden will, sollte das obere Kali Gandaki Tal schnell hinter sich lassen. Vielleicht ist das ja auch die Zukunft des Marsyandi-Tals? Schade.
In Marpha kaufe ich mir für einen gemütlichen Nachmittag im Zelt unter anderem eine Flasche des berühmten Apfelsaftes, denn Marpha ist die Apfelhauptstadt von Nepal und man will ja auch die einheimischen Spezialitäten probieren.
Das Führungspersonal inklusive Reiseleiter hat am Nachmittag die hochprozentige Variante der örtlichen Spezialitäten probiert, was beim Abendessen zur einen oder anderen Redundanz bei der Erklärung der Pläne für die nächsten Tage führt.
Es ist geplant den vorgesehenen Ruhetag in Muktinath zu streichen und einen Tag früher nach Pokhara zu fliegen, damit wir die zweitgrößte und laut Narayan schönste Stadt Nepals kennenlernen können, statt wie ursprünglich geplant von dort direkt nach der Ankunft weiter nach Kathmandu zu fahren.



[ 16. Tag ] Marpha - Jomsom
In der Nacht war ich zweimal wegen Durchfall auf der Toilette (der Apfelsaft!) und fühle mich am Morgen entsprechen kraftlos. Ich beschließe den glücklichen Umstand zu nutzen, dass wir heute schon durch Jomsom kommen, von wo wir in drei Tagen nach Pokhara fliegen werden. Ich bleibe für zwei Tage in der Lodge in Jomsom um wieder zu Kräften zu kommen, während die anderen über Kagbeni nach Muktinath gehen.
Die eine Stunde bis Jomsom schlaucht mich schon so, dass ich sofort ins Bett gehe und mit kurzen Pausen bis zum nächsten Morgen schlafe.



[ 17. Tag ] Jomsom - Jomsom
Nach einem vorsichtigen Frühstück lege ich mich wieder ins Bett und bin froh, dass ich ein Buch mit auf die Tour genommen habe.
Die anderen gehen heute nach Muktinath und erzählen später, dass zwar die Landschaft sehr sehenswert war, dass sie aber vom berühmten Pilgerort Muktinath eher enttäuscht waren.



[ 18. Tag ] Jomsom - Jomsom (4 Stunden)
Da es mir wieder besser geht, will ich die Gegend oberhalb von Jomson etwas erkunden und gehe der Gruppe entgegen in Richtung Lupra, das in einem Seitental des Kali Gandaki liegt. Der in der Karte eingetragene Weg auf der Nordseite des Seitentals existiert jedoch nicht, diese Talseite ist eigentlich gar nicht begehbar. Also wechsele ich auf die Südseite, wo ich von Weitem einen Einheimischen mit seinem Pferd gesehen hatte. Auch hier ist kein Weg, aber man kann einigermaßen gehen. Da aber der tägliche Wind im Kali Gandaki Tal inzwischen heftig weht und ich zu früh dran bin, um die Gruppe hier zu treffen, beschließe ich zurückzugehen und in der Lodge zu warten.
Am Abend Verabschiedung von der Mannschaft mit Trinkgeldübergabe und Verlosung nicht mehr benötigter Kleidungsstücke.



[ 19. Tag ] Pokhara
Mit der ersten Maschine von Gorkha-Air fliegen wir gegen 7:30 nach Pokhara. Der Flug dauert etwa 20 min und bietet eine tolle Aussicht. Nach dem Einchecken im Trek-otel am Ufer des Phewa-Sees, des zweitgrößten Sees von Nepal, erkunden wir Lakeside, das Touristenviertel von Pokhara. Am Winterpalast des Königs mieten wir zwei Ruderboote mit Ruderer und fahren zuerst auf eine Insel im See, die ein Hindu-Heiligtum beherbergt und zu der viele Hochzeitspaare kommen. Danach folgt eine kleine Runde auf dem See von dem man (bei besserer Sicht) einen tollen Ausblick auf die ganze Annapurna-Kette hat.
Nach dem Mittagessen mit gegrilltem Fisch aus dem See noch ein bisschen Shopping bis zu Siesta im Hotel. Am späten Nachmittag gibt es ein heftiges Gewitter - die Vorboten des Monsun sind dieses Jahr früh dran.



[ 20. Tag ] Pokhara - Kathmandu
Die Rückfahrt nach Kathmandu dauert etwa 6 Stunden - diesmal ohne Stau, aber mit einer Mittagspause in einem schönen Gartenrestaurant etwa eine Stunde vor Kathmandu.
Auf dem Rückweg ins Hotel besuchen wir die Stupa von Swayambunath, auch Affentempel genannt. Die Stupa liegt in einer buddhistischen Tempelanlage auf einem Hügel im Westen des Zentrums von Kathmandu. Von hier kann man die gesamte Innenstadt überblicken und sogar in der Ferne unser Hotel erahnen.
Im Hotel beeile ich mich zum Pool zu kommen und noch ein paar Bahnen zu schwimmen, denn es ist ein Gewitter im Anzug, das dann auch pünktlich beginnt als ich aus dem Becken steige. Es stürmt und regnet heftig, sodass mehrmals der Strom kurz ausfällt und wir im Dunkeln sitzen.



[ 21. Tag ] Bhaktapur und Patan
Am Morgen fahren wir nach Bhaktapur und besichtigen die sehr sehenswerte und aufwändig restaurierte alte Königsstadt. Anschließend besuchen wir den Durbarsquare von Patan mit seinem alten Königspalast und vielen Tempeln.



[ 22. Tag ] Durbarsquare und Thamel
Noch vor dem Frühstück fahren mir mit dem Taxi in den Vorort Budhanilkantha um die Statue des schlafenden Vishnu zu besichtigen. Die Vishnu-Figur liegt in einem kleinen Teich auf einem Bett aus Schlangen und ist mit Opfergaben bedeckt.
Nach dem späten Frühstück fahren wir mit dem Taxi zum Durbar Square von Kathmandu. Um einen Stau zu umfahren, nimmt unser Fahrer einen kleinen Umweg durch die engen Gassen von Thamel, dem Touristenzentrum, das wir später besuchen wollen.
Nach der Besichtigung des Durbar Square mit einem Besuch der lebenden Göttin Kumari gehen wir durch die Gassen der Altstadt nach Thamel, wo wir noch einmal shoppen können.
Nach einem erholsamen Nachmittag am Hotelpool fahren wir um 18:00 zum Abschiedsessen ins berühmte Hotel Dwarikas. Das mehrgängige, traditionell nepalesische Menü und auch die stilvolle Einrichtung des Restaurants bilden den passenden Rahmen für das Ende dieser Reise.
Um 23:20 verlassen wir pünktlich Kathmandu in Richtung Wien, wo wir ebenso pünktlich um 6:00 ankommen werden.



[ 23. Tag ] Rückflug
Nach längerem Aufenthalt in Wien fliege ich um 9:25 nach Düsseldorf, wo ich beim Landeanflug über die südlichen Stadtteile von Mönchengladbach auch mein Haus sehe.

Nachdem in anfangs Zweifel hatte, ob ich mich bei der erzwungenen Umbuchung auf diese Tour nicht etwas übernommen habe, kann ich diese im Rückblick nur als glücklichen Umstand betrachten.
Der abwechslungsreiche Tourenverlauf sowie die Zusammensetzung von Reisegruppe und Begleitmannschaft haben auch diese Nepalreise wieder zu einem unvergesslichen Erlebnis werden lassen. Sicherlich hat auch die Erfahrung meiner vorangegangenen Nepalreisen dazu beigetragen, dass ich mit den manchmal schwierigen Begleitumständen einer solchen Tour dieses Mal sehr gut zurechtgekommen bin. Bei einem dreiwöchigen Trekking ist nämlich nicht die Überschreitung eines hohen Passes oder die Besteigung eines schwierigen Gipfels die größte Herausforderung, sondern die Tatsache erstmal gesund und fit an den Fuß des Passes oder Gipfels zu gelangen.
Zum ersten Mal habe ich bei dieser Tour auf Energieriegel und -gels aus dem Leistungssportbereich zurückgegriffen und hatte auch ein paar Tafeln Schokolade von zuhause mitgenommen. Das hat dazu geführt, dass ich zwar nicht soviel abgenommen habe wie bei früheren Touren, aber körperlich deutlich besser über die Runden gekommen bin.
Fehler habe ich natürlich auch (hoffentlich zum letzten Mal) gemacht: Von lokalen Speisen, die schon optisch zweifelhaft sind und auch nicht der Fernreisegrundregel "Cook it, boil it, peel it or forget it" genügen, sollte man die Finger lassen! Und warme Handschuhe sollte ich mir endlich mal anschaffen ...

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